Säubirlesweg

Dr. Walter Kolb, die Gemeinde Güntersleben und wir haben einen einzigartigen Wanderweg mit Informationen zur ökologischen, kulturhistorischen und landschaftsästhetischen Bedeutung der "Säubirli" geschaffen!

 

Gedanken zur Eröffnung am 26. April 2026 - von Dr. Walter Kolb:

Die Säubirli gab es schon, da hat man an uns Günterslebener noch lange nicht gedacht. Erst vor mehreren Tausend Jahren kamen sie aus Persien über Italien zu uns. Offensichtlich hat sich der Baum bei uns damals und heute sehr wohl gefühlt.

Die Früchte der Wildbirne haben dann unsere Vorfahren gerne als Nahrungsmittel genutzt. Auch später in Krisenzeiten waren die Bürger froh, aus den anfallenden Birnchen Backobst, Marmelade und vitaminreichen Saft zu gewinnen.

Aber auch Wild- und Haustiere lieben die Früchte, so bieten sie Igel, Dachs, Marder und Reh, dem seltenen Siebenschläfer und der Haselmaus willkommene Nahrung. Den Säuen wurden nach mühsamer Sammlung die Birnchen ebenfalls verfüttert. Unser Spottname Säubirle dürfte wohl darauf zurückzuführen sein.

Die ökologische Bedeutung der Wildbirne wird vor allem durch ihre Funktion als Insektenfreund deutlich. Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Wespen und Schmetterlingen bietet sie Honig und Pollen. Die zum Teil mächtigen Bäume bereichern die Landschaft durch Blütenfülle, goldene Früchte und glutrote Herbstfärbung.

Das Holz der Wildbirne ist hart und formbeständig. In der der Vergangenheit wurden vor allem

Musikinstrumente und Zeichengeräte daraus hergestellt. Auch für Schnitzereien ist es geeignet. Leider ist der Holzmarkt praktisch leergefegt. Darin ist auch eine Marktlücke für zukünftige Förderung der Art zu sehen. Wir sehen uns verpflichtet, die seltene Baumart in unserer Flur zu fördern und die Bestände zu sichern. In diesem Zusammenhang danken wir der Flurbereinigung, die vor vielen Jahren kleine Gehölzgruppen und Hecken erhalten konnte, auch wenn dadurch die landwirtschaftliche Nutzung beeinträchtigt wurde. Gerade in diesen Bereichen fühlt sich das Säubirle wohl. Wir fördern aber auch die Bestände durch Neupflanzungen und die Pflege alternder Bäume. Durch die Schaffung eines Säubirlespfades wollen wir auf die kostbaren Bestände der Wildbirne in unserer Flur aufmerksam machen. Wir hoffen, damit Naturgenuss und Information zu vereinen. Die Einmaligkeit unserer beeindruckenden Säubirlesbäume soll uns dabei helfen. Eine Story zum Schluss. Vor sieben Jahren haben wir begonnen, die Bestände der Wildbirne in der Flur zu kartieren. Dabei entstand die Idee des Pfades. Nach unsrer Kostenschätzung und Vorlage der Pläne hat der Gemeinderat das Projekt dann erstmalig genehmigt. Das war noch in der Coronazeit. Viele Besprechungen später und der jahrelangen Suche nach Fördermöglichkeiten beschloss der Gemeinderat in einen weiteren Beschluss, das Projekt bei einem europäischen Förderprogramm einzureichen. Für die Förderfähigkeit wurden dann leider weitere, zum Teil übertriebene, kostenträchtige Untersuchungen gefordert. Daraufhin beschloss der Gemeinderat in der dritten Sitzung das Projekt nicht zu realisieren.

Danach hat der Heimatverein mutig die Bauherrschaft in Eigenleistung übernommen. Nach vielen Einsätzen konnte der größte Teil der Aufgaben fertiggestellt werden. Die Markierungen an den Bäumen und Wegezeichen führen nun durch 4 Einzelpfade unterschiedlicher Länge. 10 Tafeln bieten Informationen zu Natur, Landschaft und natürlich zum Säubirle. QR- Codes erleichtern die Orientierung. Man kann dem Heimatverein zu dieser tollen Gemeinschaftsleistung nur gratulieren! 

 

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